"Vorab-Publikation, zur Publikation in der RPG eingereicht und am 8.10.2001 angenommen. Publikation vorgesehen in RPG 1/2002"
MICHAEL FELDMANN, JÜRGEN BRINK, BARBARA FRANK, KLAUS MEYER-LUTTERLOH, GERHARD SCHULTE, NICK SCHULZE-SOLCE, HANSWERNER VOSS
Die Analyse verschiedener Szenarien zur Veränderung der Arzneimittel-Distribution
Seit vielen Jahren läuft in Deutschland eine öffentliche Diskussion über die Veränderung der in verschiedenen Gesetzen festgeschriebenen Abläufe in der Arzneimittel-Distribution. Aus Anlaß einer aktuell starken Steigerung der Arzneimittel-Ausgaben in der GKV hat die Bundesgesundheitsministerin eine Untersuchung der teilweise verkrusteten Strukturen der Arzneimittel-Distribution angekündigt. Da in der öffentlichen Diskussion die Meinungsäußerungen der Markt-Teilnehmer immer pro domo gefärbt sind, hat die Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen (GRPG) eine Arbeitsgruppe Arzneimittel-Distribution gegründet.
Diese Arbeitsgruppe ist – wie die GRPG auch – interdisziplinär zusammengesetzt und bestand aus Teilnehmern aus den Bereichen:
In den ersten Sitzungen der Arbeitsgruppe wurde schnell deutlich, dass eben gerade aufgrund dieser unterschiedlichen Interessenslage der Teilnehmer keine tragfähige gemeinsame Meinung und Empfehlung zu Veränderungen in der Arzneimittel-Distribution erarbeitet werden kann. Die Arbeitsgruppe verständigte sich deshalb auf die Definition einiger Szenarien, die eine Veränderung in der Arzneimittel-Distribution bedeuten. In mehreren Arbeitssitzungen wurden diese Szenarien nach ihren positiven und negativen Auswirkungen auf die Markt-Teilnehmer analysiert und in Tabellen festgehalten. Man einigte sich darauf, die bestehende Gesetzeslage zu ignorieren, um auch innovative Ansätze und Ideen in die Diskussion einbringen und analysieren zu können. Mögliche technische Entwicklungen – insbesondere in der Elektronik - und die Veränderungen im europäischen Markt wurden antizipiert. Als Arzneimittel wurden alle nach deutschem Recht apothekenpflichtigen Arzneimittel in die Diskussion einbezogen . Dabei wurde betont, dass Arzneimittel unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte für den Einzelnen und für die Volksgesundheit ein besonderes Gut darstellen.
Als Szenarien wurden definiert:
Um Veränderungen in der Arzneimittel-Distribution herbeizuführen, sind eine Reihe weiterer Szenarien denkbar. Insofern erheben die von der Arbeitsgruppe definierten Szenarien keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ebenso ließen sich die positiven und negativen Auswirkungen innerhalb der einzelnen Szenarien weiter vertiefen, das in den Tabellen aufgeführte Ergebnis soll aber dazu dienen, die wesentlichsten Auswirkungen auf die Marktteilnehmer bei künftigen Diskussionen nicht einfach unberücksichtigt lassen zu können.
Die nachfolgenden Tabellen mit der Analyse der definierten Szenarien setzen den Ist-Zustand der gegenwärtigen Situation in der Arzneimittel-Distributation als bekannt voraus. Bestehende Begriffe wie z.B. aut idem-Verordnung werden nicht weiter erklärt. Die Tabellen lassen sich einfach lesen: Positive Auswirkungen auf einen Markt-Teilnehmer sind auf der linken Seite unter (+), negative Auswirkungen auf der rechten Seite unter (-) beschrieben. Neutrale Auswirkungen oder Auswirkungen, die nur für einen Teil der Gruppe eines Markt-Teilnehmers positiv oder negativ sind, wurden in der Mitte dargestellt.
Zu einigen Szenarien muss Ergänzendes gesagt werden:
Als Konsequenz der Ergebnisse der Arbeitsgruppe wäre eine juristische Bewertung vorzunehmen, welches Szenario welches bundesdeutsche Gesetz verletzt und deswegen geändert oder ergänzt werden müßte. Ebenso denkbar wäre es, auf Basis der vorliegenden Analyse eine Empfehlung abzugeben, welches der Szenarien umgesetzt werden sollte. Gerade dies wollte die Arbeitsgruppe strikt vermeiden.
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aut idem-Verordnung
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+ |
- |
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Arzt |
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bei unerwünschten Wirkungen |
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Apotheke |
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verstärkte Einbindung in Meldesystem |
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Industrie |
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Großhandel |
è Kostensenkung, |
Geschäftes mit Schnelldrehern è Mischkalkulation wird schlechter è Sortiment wird reduziert längere Lieferzeiten für Langsam- dreher |
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Kassen |
- Kosteneinsparung bei Arzneimitteln |
(Versicherter – Arzt – Apotheker) |
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Patienten |
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è Verunsicherung möglich,Compliance verschlechtert sich |
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Ökonomie |
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Internet / Intranet
Szenario: Business to Business (B2B)
Arzt verordnet elektronisch – System überprüft Verfügbarkeit in angeschlossenen Apotheken - Patient entscheidet in welcher Apotheke abgeholt wird – Apotheke wird elektronisch informiert und stellt Arzneimittel bereit – Patient holt Arzneimittel ab
Patient gestattet/gestattet nicht die Übermittlung persönlicher arzneimittelrelevanter Daten z.B. Diagnose auf der Verordnung
Wirtschaftlichkeits- und Richtgrößenprüfungen auch bei elektronischer Signatur möglich
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+ |
- |
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Arzt |
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Apotheke |
è weniger Papier |
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Industrie |
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Großhandel |
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Kassen |
è geringerer Verwaltungsaufwand |
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Patienten |
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Ökonomie |
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"Internet"/Versandapotheke/elektronisches Rezept
Die sogenannten Internet-Apotheken (z.B. Doc Morris) sind heute bestenfalls Versand-Apotheken. Rezepte müssen physisch geschickt werden. Voraussetzung für Internet-Apotheken ist das elektronische Rezept. Dieses würde das Entstehen von Internet-Apotheken dramatisch beschleunigen.
Szenario Business-to-Customer (B2C):
Patient hat entweder elektronisches Rezept mit Signatur (setzt Internet voraus) oder Rezept aus Papier. Patient oder der Arzt schicken Rezept physisch oder via Internet an Präsenz- oder Versand-Apotheke.
Präsenz- oder Versand-Apotheke prüft Rezept und versendet
Haushalt nimmt Lieferung an.
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+ |
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Arzt |
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Apotheke |
Präsenz-Apotheke:
Versand-Apotheke:
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Präsenz-Apotheke:
Versand-Apotheke:
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Industrie |
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Großhandel |
è Strukturwandel |
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Schwerpunktverlagerung von Handel zur Logistik-Dienstleistung (Mikrologistik) |
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Kassen |
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Patienten |
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Beratung durch Apotheker |
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Ökonomie |
(auch: Logistik-Unternehmen) |
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Preisbindung für Arzneimittel
Szenario I:
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+ |
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Arzt |
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Apotheke |
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Gruppenbildung Kettenbildung dramatischer Anstieg der Wettbewerbsintensität è Konzentrationsprozeß |
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Industrie |
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Großhandel |
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Kassen |
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Anzahl der Vertragsapotheken kann |
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Patienten |
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Ökonomie |
erhöhen die Wettbewerbsintensität |
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Preisbindung für Arzneimittel
Szenario II:
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+ |
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Arzt |
nur geringe unmittelbare Auswirkungen |
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Apotheke |
dramatischer Anstieg der Wettbewerbsintensität Trend zur Kettenbildung è Konzentrationsprozeß die überlebenden Apotheken machen höheren Umsatz Apotheker muß stärker kaufmännisch agieren:
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Industrie |
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Großhandel |
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Kassen |
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Patienten |
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Ökonomie |
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è Ausscheiden der Grenzanbieterê Oligopol ê Preisniveau steigt
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